FCK-Kolumne: Abenteuer Zweitliga-Konferenz

Immer wieder Spieltags kommt die Ernüchterung. Zumindest in der Konferenz. Als Zweitliga-Fan muss man sich in Kneipen des Öfteren der Mehrheit beugen und stürzt sich in das TV-Abenteuer. Eines ist sicher: Dein Verein kommt dabei auf jeden Fall zu kurz – oder gar nicht.

Gerade noch rechtzeitig stürme ich in die Kneipe meines Vertrauens. Mit Schal und Trikot bewaffnet schlängle ich mich durch die Fans anderer Lager und erhasche einen freien Platz. Es ist das harte Los des Zweitliga-Fans im Exil, der sich die Spiele seines Vereins in der Konferenz ansehen muss. Hier musst du mit allem rechnen: Andere Fans, andere Spiele und noch ganz andere Dinge, die das Fernsehvergnügen trüben.

Bei der Platzwahl gibt es jedoch weniger Schwierigkeiten als noch zu Bundesligazeiten. Damals musste man darauf achten, dass man sich nicht vor einen Frankfurt oder Mainz-Fan positioniert. Auch redselige Köln-Fans, die ihre Mannschaft in die Champions-League plärren, gehören der Vergangenheit an. Heute hat man die Qual der Wahl: Direkt an der Theke, hinten im Eck beim rauchenden (und fußballerisch desinteressierten) Stammgast oder mit Genickstarre in der ersten Reihe. Ich entscheide mich meist für das Mittelding zwischen Stammgast und Theke. Jetzt kann es losgehen.

Es ist so etwas wie der Vierer im Lotto ohne Zusatzzahl, wenn die Konferenz mit deinem Verein beginnt. Du freust dich darüber, weißt aber, dass es dir eigentlich nichts bringt. Nun beginnt die eigentliche Lotterie. Das Spiel läuft erst ein paar Minuten, ich mustere mein Team, mosere über die ersten Fehlpässe und plötzlich passiert es: Woanders fällt ein Tor und Sky wechselt das Spiel. Dieser Nervenkitzel gehört leider dazu. Denn während man mehr oder minder aufmerksam das Spiel der anderen verfolgt, sorgt der Ausruf „Tor in Kaiserslautern“ für Gänsehaut. 0:1, 1:0 oder Abseits? Die Konferenz sorgt für gemischte Gefühle.

Etwa wenn der Kommentator von „riesigen Chancen“ für den 1. FC Kaiserslautern spricht, diese aber nicht gezeigt werden. Solche Kleinigkeiten lassen mich als (leider) regelmäßigen Konferenzgucker genauso verzweifeln wie der plötzliche Wechsel, wenn mal wieder ein „Platzverweis in Nürnberg“ oder ein „Elfmeter in Heidenheim“ ansteht. Kaum lehnt man sich zurück und genießt den Anblick seines Teams, spielen wieder die anderen. Oder Sky zeigt eine Auswechslung.

Besonders demütigend für den Zweitliga-Fan wird es, wenn nach etwa 60 Spielminuten die Erstliga-Fans in die Kneipe trotten, um sich auf die Spiele der ersten Bundesliga vorzubereiten. Sie sichern sich ihre Plätze, um diverse Flüssighopfen zu ordern und beäugen die Zweitliga-Fans wie der Adel den Pöbel. Sprüche wie „Das kann man sich ja nicht angucken“, „Schalt doch mal auf Formel 1“ oder „Wer spielt da überhaupt?“ sind noch die niedlichsten Tiraden, die der Fan der besten zweiten Liga (aller Zeiten) ertragen muss. Bei einer Konferenz bleibt dir eben nichts erspart. Fast jedes Wochenende ereilt mich dieses Schicksal und überrascht mich immer wieder auf’s Neue.

Ist das Spiel vorbei, bleiben viele Fragen offen: Hat der FCK verdient verloren/gewonnen? Wie war die Stimmung im Stadion? Und warum musste auf den anderen Plätzen so viel passieren, dass ich kaum etwas vom eigenen Spiel sehen konnte? Durch die ungeduldigen Erstliga-Fans bleibt leider selten Zeit, sich alle Tore und Highlights in der Kneipe anzuschauen. Wie zittrige pubertäre Zocker an der PlayStation im Elektronikfachmarkt raunen dir die Blicke ein unbewusstes „Jetzt sind wir dran“ zu. Also tingelt man nach Hause und freut sich auf die Zusammenfassungen vor dem heimischen Bildschirm.

Alles noch mal in Ruhe ansehen, mehr Details erkennen und die Stimmen der Beteiligten hören – nur das kann die Konferenz noch retten. Denkste: Während ich neugierig die Zusammenfassung bei SPORT1 verfolge, kurz über die zweifelhaften Zöpfe von Laura Wontorra grüble, betritt meine Freundin das Zimmer, schüttelt den Kopf und sagt: „Das hast du doch eben schon gesehen!“ Ich donnere ein „Ebe net!“ zurück, besinne mich wieder, verschränke die Arme und habe erneut einen Treffer des FCK nicht gesehen. Der ganz normale Wahnsinn eben.

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