Unser FCK vor 20 Jahren: Rückblick auf „Let’s go Betze“

Was waren das für Zeiten! Im Sommer 1995, vor fast genau 20 Jahren, belegte der FCK am Saisonende Platz 4 – in der ersten Bundesliga, wohlgemerkt – und qualifizierte sich damit für den UEFA-Cup. Die Euphorie in der Pfalz war vor der Spielzeit 1995/96 groß, doch am Ende sollten die Fans so bitter enttäuscht werden, wie noch nie in der Geschichte der Roten Teufel. Im offiziellen Saisonmagazin aus dem Sommer 1995, der jährlichen Saisonvorschau, war davon freilich noch keine Rede. Eine Geschichte von Tagesthemen-Fans, verhinderten Nachwuchs-Hoffnungen und der Drei-Punkte-Regel.

„Let’s go Betze“ – so heißt das 66 Seiten dicke Heft, das der 1. FC Kaiserslautern vor der Saison 1995/96 für die Schutzgebühr von 5 D-Mark herausgab. Schon der Preis zeigt, damals war die Fußballwelt noch in Ordnung. In der Bundesliga spielten 10 von 16 Gründungsmitgliedern, die größten Exoten kamen aus Uerdingen und St. Pauli. Im Kader der Roten Teufel standen sechs Nicht-Deutsche und diverse pfälzische Heroen. Die Bayern investierten absurde 25 Millionen D-Mark in ein Star-Quartett bestehend aus den Herren Klinsmann, Strunz, Sforza und Herzog. Gerade war die Drei-Punkte-Regel eingeführt und die Foul-Regel modifiziert worden. Der FCK bereitete seine Fans schon mal auf Enttäuschungen vor:

„Auch die Schiedsrichter müssen härter durchgreifen. Sie sollen unter anderem alle Tacklings abpfeifen, bei denen der Gegner vor dem Ball berührt werden.“

Einfach herrlich.

Selbiges gilt auch für die Aussichten für die neue Saison, denn nach Platz Vier im Vorjahr waren die Ansprüche gewachsen. Eine gute Spielzeit sollte es sein, auf jeden Fall wieder in der Nähe der internationalen Plätze. Im UEFA-Cup wollte man einige Runden überstehen. Und wenn möglich, dann sollte auch der Pokalsieg her. „In der neuen Saison ist es leichter, sich als UEFA-Cup-Sieger oder DFB-Pokalsieger für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren als über die Bundesliga-Platzierung“, spekulierten da schon die Autoren des Saisonmagazins. Und selbst Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert outete sich in „Let’s go Betze“ als FCK-Fan und hoffte:

„Ich bleibe dem 1. FC Kaiserslautern treu. Irgendwann packen die das. […] Dieses Jahr haben sie bestimmt eine Chance, den Titel zu holen.“

Was am Ende passierte, wissen alle.

Aber klar, ganz unberechtigt war der Optimismus nicht. Schließlich wurden einige Spieler geholt, die den FCK zu neuen Höhen schießen sollten, darunter Pele Wollitz, Harry Koch und Keeper Mark Schwarzer. Und auch in die Talente aus der Jugendmannschaft setzte man große Hoffnungen, vor allem in Thomas Riedl und Marco Reich. Letzterer „kann es packen“, lautete die Prognose von Jugend-Chef Ernst Diehl, und immerhin kam Reich Jahre später sogar zu einmaligen Nationalmannschaftsehren. Welchen Stellenwert die Jugend in der Pfalz hat, machte FCK-Manager Reiner Geye deutlich (im Magazin fälschlicherweise übrigens mit „a“ statt „e“ geschrieben). Auf eine postalisch eingesandte Leserfrage von Christa aus Bendorf (hach, wie schön war das noch ohne Social Media) antwortete er:

„Einen sehr hohen. Dafür investieren wir auch einiges. Mit Ernst Diehl haben wir einen hauptamtlichen Mitarbeiter […]. Wir müssen aber realistisch sein. Es ist heute für die A-Jugendlichen sehr schwer, gleich bei den Profis Fuß zu fassen“.

Sehr vorrausschauend, der Mann. Aber leider eben nicht besonders erfolgreich. 1996 war dann auch Schluss für den Manager. Eine Konstante hingegen ist Horst Schömbs, der schon im Saisonheft von vor 20 Jahren umfassend porträtiert wurde. Sein gewünschter Lieblingssatz am Mikrofon? „Ich gratuliere dem 1. FCK zum Deutschen Meister“.

„Schön wär’s“, kommentiert das Saisonheft, nur um zwei Saisons später tatsächlich die Meisterschaft feiern zu dürfen. Bei aller Bitterkeit, die die Abstiegssaison 1995/96 mit sich brachte und aller historischer Ironie, die das Saisonmagazin „Let’s go Betze“ heute in der Retrospektive versprüht: der Sensations-Titel 1998 wäre ohne den Abstieg und all seine Folgen wohl so nie möglich gewesen. Früher war einfach alles besser – übrigens auch das Fanartikelsortiment:

Scans: „Let’s go Betze“ (Hrsg.: 1. FC Kaiserslautern, Fotos: Paul Gilbrecht, Gestaltung: vis-à-vis Verlag)

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