VfL-Fan und Autor Ben Redelings im Interview

„Ich habe mich an dem Tag, als ich erfuhr, dass Stefan Kuntz gehen muss, fürchterlich betrunken.“

Er schreibt Bücher, befüllt regelmäßig seinen Scudetto-Blog und ist zudem glühender Fan des VfL Bochums. Ben Redelings spricht mit uns vor dem Duell mit dem VfL über Stefan Kuntz, das Fansein und sein neues FCK-Buch.

 

Ben Redelings ist nicht nur Autor und Kabarettist, sondern auch glühender Anhänger des VfL Bochums. (Foto: Sascha Kreklau)

Hallo Ben, wir werden oftmals gefragt, warum wir Fan des FCK sind, wo er doch – aktuell – sehr oft schlecht spielt. Wie ist das beim VfL und welche Antwort gibt’s von dir?
Ben Redelings: Das ist eine großartige Frage von Leuten, die offensichtlich von Fußball keine Ahnung haben. Es ist ja gerade diese scheiß Genialität des Fanseins, die einem keine Wahl lässt. Ich habe dieser Tage geschrieben: „Wenn der VfL eine Frau wäre, ich hätte sie für die ganze Scheiße der letzten Tage, Wochen und Monate längst verlassen! Gott sei Dank gibt es im Fußball nur die eine große Liebe!“ Und ich finde es schön!

Du hast schon einige Fußball-Bücher verfasst und startest immer wieder neue Aktionen. Wie filterst du Ideen für neue Projekte?
Ben Redelings: Ich habe jahrelang nichts anderes gemacht, als zu sammeln. Sprüche, Anekdoten, Fotos. Eigentlich seit ich denken kann. Ich habe schon immer sehr, sehr ungern Sachen weggeschmissen, die was mit Fußball zu tun haben. Heute profitiere ich von diesem Fundus. Wenn ich eine Idee habe, schaue ich, ob sich das realisieren lässt – und vor allem, ob es mir Spaß machen wird. Die Projekte liegen ja ohnehin quasi auf der Straße!

Du hast mal gesagt, dass es beim Fußball keine Unterschiede gibt und man dort Menschen trifft, die genauso (positiv) bekloppt sind wie du. Wie würdest du diese Beklopptheit beschreiben?
Ben Redelings: Natürlich gehört die bewusste Abgrenzung dazu. Ich Bochum, du Lautern. Auch die Frotzeleien. Das macht ja auch den Reiz aus. Die 90 Minuten während eines Spiels gegeneinander werden wir beide keine Freunde sein. Aber vorher und nachher möchte ich ein Bier mit den Fans anderer Vereine trinken. Weil sie ihren Klub genauso lieben, wie ich den meinen. Wenn mir einer erzählt, die Fans von Verein xy sind besonders bescheuert, dann schüttle ich nur den Kopf. Wer meint, Hass habe etwas im Fußball verloren, der zieht sich auch die Soldatenuniform an, wenn irgendwelche Wirrköppe mal wieder Krieg spielen wollen. Fußball verbindet, weil wir alle nicht ganz normal im Kopf sind, dass wir Woche für Woche die ganze schöne Scheiße mitmachen!

Am Sonntag kommt dein VfL auf den Betzenberg. Welche Erinnerungen hast du an Duelle mit dem FCK und dem VfL?
Ben Redelings: Eine ganz Besondere. Wir sitzen im Frankreich-Urlaub um den Weltempfänger rum und müssen mitanhören, wie Schiedsrichter Manfred Amerell uns auf dem Betzenberg in Grund und Boden verpfeift. Muss Anfang der Neunziger gewesen sein. Den Mann habe ich danach gefressen gehabt!

Stefan Kuntz kam 2008 als VfL-Manager zum FCK und wurde Vorstandsvorsitzender. Wie war er als Manager?
Ben Redelings: Ich habe mich an dem Tag, als ich erfuhr, dass Stefan gehen muss, fürchterlich betrunken. Aus einer komischen Ahnung heraus, dass da gerade etwas mit unserem Verein passiert. Seitdem ging es nur noch abwärts. Ich weiß, dass er bei euch im Moment keinen leichten Stand hat, aber damals bei uns wehte gerade der Wind der Veränderung. Für den war er maßgeblich verantwortlich!

Wir hatten Campari und Crunchips Trikots. Ihr das legendäre Regenbogenjersey. Braucht der deutsche Fußball wieder mehr solcher Leibchen?
Ben Redelings: Harry Koch im Crunchips-Trikot ist ganz großartig, stimmt. Und wir werden immer noch europaweit an unseren Regenbogen-Trikots erkannt, stets mit dem Satz: „Ihr seid doch die Mannschaft mit den hässlichsten Trikots der Welt, oder?!“ Ich denke, das hat ganz viel mit Nostalgie zu tun. Aber eins ist klar: kik und Wiesenhof wird kein Fan vermissen. Campari und Osborne schon!

Auch wenn der grandiose Vorstoß nach Europa unter ihm lange her ist: wie viel Kultstatus genießt Peter Neururer bei euch?
Ben Redelings: Peter hat natürlich im Moment kein einfaches Leben. Letztes Jahr konnte er gefühlt übers Wasser gehen und jetzt geht er, ebenso gefühlt, im Babybecken unter. Ich bin mir aber sicher, dass auch wieder eine Zeit kommen wird, in der wieder der Kult stärker ausgeprägt ist. Peter liebt den VfL – und das werden die Menschen ihm nicht so leicht vergessen!

Warst du schon mal auf dem Betzenberg und wenn ja, wie hast du die Stimmung bei uns erlebt?
Ben Redelings: Da muss ich leider passen. Als ich eine Karte hatte und auf dem Weg war, musste die Partie wegen eines Orkans verschoben werden.

Das FCK-Album von Redelings erscheint im September.

Es gibt bereits Bayern- und Dortmundalben – wann erscheint das erste FCK-Album?
Ben Redelings: Im September. Ich genieße es total, auf diese Weise auch anderen Verein noch mehr auf die Spur zu kommen. Durch das Bundesliga-Jubiläumsalbum habe ich ja schon viel Neues kennen gelernt, aber das ist noch einmal eine andere Sache. Und die Fotos! Die sind für das FCK-Album besonders genial. Ich sitze gerade am Buch und muss beim Betrachten der Bilder schmunzeln!

Und was muss passieren, dass der FCK und der VfL mal wieder in der ersten Bundesliga aufeinander treffen?
Das wird nicht leichter, wenn nächstes Jahr RB Leipzig auch noch einen Platz versperrt. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir uns irgendwann mal wieder um 15:30 Uhr treffen.

Wie geht das Spiel am Sonntag aus?
Ich bin ein gnadenlos schlechter Tipper. Und liege stets komplett daneben. Würde ich auf meinen Verein setzen, würden wir verlieren. Aber gegen meinen Verein? Wie sagte unser ehemaliger Stadionsprecher immer so schön: „Wir wünschen dem Spiel einen sportlich-fairen Verlauf.“ Euch alles Gute für die Zukunft!

Interview: Stefan Himmer

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