Hinter den Kulissen: FCK-Greenkeeper Andreas Stuber im Gespräch

Wie lange hält ein Stadionrasen? Wie fühlt es sich an, wenn das wochenlang gepflegte Grün am Spieltag von den FCK-Profis umgepflügt wird? Mittlerweile beschäftigt der 1. FC Kaiserslautern ein drei Mann starkes Greenkeeping-Team. FCK-Greenkeeper Andreas Stuber spricht mit uns über den heiligen Rasen des Fritz-Walter-Stadions.

FCK-Greenkeeper Andreas Stuber mit einem seiner Arbeitsgeräte.

Seit kurzem gibt es einen neuen Rasen auf dem Betzenberg. Wie verlief die Verlegung?
Andreas Stuber: Das ist super verlaufen. Die Firma hat uns eine sehr gute Rasenqualität geliefert. Auch die Verlegung war erstklassig. Das muss man schon so sagen.

Die Winterpause war relativ kurz. Aber was macht ein Greenkeeper in der fußballfreien Zeit, was ist da wichtig für den Rasen?
Andreas Stuber: Im Winter kann man eigentlich wenig machen. Erstmal musst du schauen, dass der Rasen wieder eben ist und dass die Löcher entfernt werden. Allerdings lässt die Temperatur im Winter kein Wachstum zu.

Zum Glück rollt der Ball wieder. Was ist nun wichtig, welche Aufgaben hat das Greenkeeper-Team während der Spielzeit?
Andreas Stuber: Je nachdem, wie sehr der Rasen nach dem Spiel strapaziert ist, wird er aerifiziert. Das heißt, es werden Löcher zur Durchlüftung der Wurzel gebohrt. Oder oftmals gehen wir auch mit dem Rechen oder Dreizack drüber, so nennen wir das Gerät, mit dem man die Löcher, die reingetreten wurden, behebt. Es gibt auch noch die Nachsaht. Im Sommer muss der Rasen auch täglich gemäht werden. Also wir haben eigentlich immer etwas zu tun.

Ich war in der Winterpause beim Hamburger SV zu Besuch und habe mir das Stadion angesehen. Dort hat mir die Stadionführerin erzählt, dass das Stadion dummerweise so gebaut wurde, dass der Rasen schlecht von der Sonne angestrahlt wird. Zudem sei die Luftzirkulation schlecht. Wie ist das beim Fritz-Walter-Stadion?
Andreas Stuber: Wir haben ähnliche Probleme. Aber das ist bei diesen Arenen relativ normal, weil die Tribünen so hoch sind. Auf dem Betze ist es leider so, dass im Winter kaum Sonne ins Stadion scheint. Wenn die Sonne so steht, dass sie ins Stadion reinscheinen könnte, ist sie wieder so tief, dass sie über das Stadion drüber scheint. Am Betze ist also der Standort an sich schon ein großes Problem.

Lässt sich ein Fußball-Stadion nicht so bauen, dass ein Rasen gut belichtet wird?
Andreas Stuber: Das ginge schon. Aber es ist schwierig, wenn das Stadion steht und es folgen Anbauten und Anbauten. Und irgendwann ist dann die Tribüne zu hoch und du hast das Problem.

Vor ein paar Jahren gab es nur den Platzwart, der sich scheinbar um alles gekümmert hat. Heute seid ihr ein relativ großes Team. Wie hat sich das in den letzten Jahren beim FCK entwickelt?
Andreas Stuber: Es wird auf jeden Fall mehr Wert darauf gelegt. Aber ich bin erst seit fünf Jahren dabei. Und in diesen fünf Jahren wurde die Messlatte sehr hoch gelegt. Wie das früher war, kann ich gar nicht genau sagen.

Was meinst du mit der Messlatte?
Andreas Stuber: Dass man einfach versucht, immer und zu jeder Jahreszeit das Beste aus dem Rasen rauszuholen. In Sachen Ebenheit und Pflanzenverfügbarkeit beispielsweise.

Du bist selbstredend auch FCK-Fan. Was ist es für ein Gefühl, wenn du dich unter der Woche liebevoll und akribisch um den Rasen kümmerst und am Wochenende pflügen die FCK-Spieler das Grün einfach um?
Andreas Stuber: Dafür bin ich ja da, dass ich bzw. unser Team den Rasen wieder herstelle. Wenn das nicht so wäre, könnte ich nicht bei meinem Lieblingsverein arbeiten. Von daher ist alles super.

In der Halbzeit sieht man dich oft auf dem Platz mit dem entsprechenden Werkzeug. Wie wichtig ist diese Arbeit speziell in der Halbzeit?
Andreas Stuber: Da geht es wieder um die Ebenheit des Platzes. Man will immer, dass der Platz möglichst eben ist. Und dementsprechend wichtig ist es, diese Durchtritte, wie sie auch genannt werden, in der Halbzeit so gut es geht zu beseitigen.

Wie sieht der perfekte Rasen für dich aus? Muss der erst aus England importiert werden?
Andreas Stuber: Den perfekten Rasen muss man sich mit der Zeit schaffen. Das ist viel Arbeit und der lässt sich nicht einfach holen oder importieren.

Siehst du England als Vorbild und haben die Insulaner durch ihr Klima einen Vorteil?
Andreas Stuber: Klar sieht das bei den Briten immer toll aus. Aber wenn man die Rasen bei kleineren Vereinen dort sieht, ist es auch nicht immer das Gelbe vom Ei. Deswegen würde ich nicht von einem Vorbild sprechen. Wir müssen unsere eigenen Sachen machen.

Also schneidet ihr den Rasen nicht mit der Nagelschere wie es manch Engländer vielleicht tun würde?
Andreas Stuber: Nein, das nicht. Aber ein sauberer Schnitt ist wichtig. Der Rasen wird nicht mit einem Sichelmäher gemäht, sondern mit einem Spindelmäher, den man auf ein Zehntel genau einstellen kann, damit es diesen sauberen Schnitt gibt.

Das aktuelle Schnittmuster erinnert mich noch ein wenig an Klicklaminat. Woher kommt das?
Andreas Stuber: Das liegt noch an der frischen Verlegung. Nicht jede Rolle ist gleich. Deswegen sieht es noch so aus. Aber wenn das mal gedüngt wurde und ein bisschen wächst, sieht das gleich anders aus.

Wie lange hält ein Stadionrasen?
Andreas Stuber: Das ist Witterungsbedingt und schwer zu sagen. Wenn der Winter milde ist, kann es auch sein, dass man den Rasen über den Winter bringt. Es lässt sich schwer in Zahlen ausdrücken.

Und wenn der Rasen kaputt ist, was geschieht dann?
Andreas Stuber: Er wird ausgefräst. Die jeweilige Firma kommt mit einer riesigen Fräse und vor dem Stadion liegt anschließend ein riesiger Haufen Erde. Da erinnert nur noch wenig an Gras …

In Nürnberg gab es einige Streitigkeiten bezüglich des Rasens. Angeblich sei Schimmel im Grün gefunden worden. Wie siehst du das?
Andreas Stuber: Das war kein Schimmel. Die hatten einen Pilz im Rasen. Bei dieser Witterung ist das ganz normal. Ich finde es unschön, dass Matthias Sammer daraus so einen Aufruhr gemacht hat. Wir haben eben Winter und so etwas kommt leider vor. Das hat nichts mit Schimmel oder schlechter Pflege zu tun. Dieser Pilz kann jeden Rasen befallen.

Ich bin jetzt mal optimistisch und sage: wir steigen auf! Dann werden sicherlich wieder einige Fans auf den Platz rennen und sich ein Stück des edlen Rasens herausreißen. Welche Pflegetipps hast du für die Rasendiebe?
Andreas Stuber: Den Rasen am besten drin lassen! Dann kann nix passieren.

Interview: Stefan Himmer

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