Türme in der Abwehr, Flaute im Sturm
Ein Schalker als Coach, wenige Gegentore und zwei Ex-Lautrer im Angriff – der Karlsruher SC reist als motivierter Aufsteiger an den Betzenberg. Doch wo liegen die Stärken und Schwächen der Mannschaft? Wir klären auf.
Der Trainer:
Der gebürtige Gelsenkirchener Markus Kauczinski (43) war bereits dreimal Interimstrainer des Karlsruher Sportclubs (2009, 20010 und 2011) und ist seit März 2012 Cheftrainer. „Man braucht in diesem Job eine natürliche Autorität“, sagte Kauczinski einst im Interview mit „11Freunde“. Mit dieser Autorität strahlt er Ruhe aus und hat zudem einen Blick für Talente. Zudem scheint er ein kommunikativer Trainer zu sein, der einen Draht zu den Spielern hat und weiß, wie er welchen Spielertyp anpacken muss. Im KSC-Umfeld wurde er bereits als „Idealtrainertyp“ bezeichnet.
Die Abwehr:
In der Innenverteidigung setzt Kauczinski auf die beiden Routiniers Jan Mauersberger (28) und Daniel Gordon (28). Mauersberger durchlief die Jugendteams des FC Bayern München und Daniel Gordon ist jamaikanischer Nationalspieler. Auf der linken Außenbahn wirbelt Michael Vitzthum (21). Der junge Linksverteidiger ist aktuell vom VfB Stuttgart ausgeliehen und absolvierte bisher acht Spiele. Zudem ist er U21-Nationalspieler. Rechts ist Philipp Klingmann gesetzt. Der 25-Jährige stammt aus der Hoffenheimer Jugend und hat sich in den letzten Jahren zu einem soliden Rechtsverteidiger entwickelt.
Auf den ersten Blick ist die Abwehr des KSC tatsächlich gut besetzt. Die beiden Innenverteidiger sind erfahren und stehen sicher. Zu Beginn der Saison war die Defensive des KSC eine der besten der Liga. Und bisher hat Karlsruhe nach zehn Spielern nur zehn Gegentore kassiert. Zum Vergleich: Der 1. FC Kaiserslautern steht auf dem vierten Rang und hat elf gefangen.
Das Mittelfeld:
Im Mittelfeld beginnen die Probleme des KSC. Nach dem Abgang von Jahrhunderttalent Hakan Calhanoglu zum Hamburger SV wurde kein adäquater Ersatz gefunden. Zudem fällt Leistungsträger Gaetan Krebs gegen den FCK aus. Doch das nächste Talent steht schon in den Startlöchern: Reinhold Yabo (21) hat bisher fast alle U-Nationalmannschaften Deutschlands durchlaufen und wurde zudem zweimal mit der silbernen Fritz-Walter-Medaille ausgezeichnet. Im zentralen Mittelfeld ist er gesetzt. Ein weiteres hoffnungsvolles Talent ist der Spanier Manuel Torres. Er wird Krebs auf der linken Außenbahn ersetzen. Ebenfalls jung und talentiert: Selcuk Alibaz (23). Für manch einen jungen Spieler wird die Atmosphäre auf dem Betzenberg zur Feuertaufe. Der KSC-Trainer ist jedoch davon überzeugt, dass seine Akteure diese gut überstehen werden: „Von so etwas lässt sich keiner ins Bockshorn jagen, Torres schon gar nicht.“ Wahrscheinlich setzt Kauczinski wieder auf ein 4-2-3-1 mit nur einer Spitze.
Der Angriff:
Im Sturm der Badener ist ein Lautrer Einschlag unverkennbar. Der beste Torschütze des KSC heißt Dimitrij Nazarov (23) schaut immer etwas grimmig und spielte 2010 beim 1. FC Kaiserlautern II. Wobei er mit zwei mageren Törchen die Torjäger-Liste des KSC anführt. Ebenfalls vom FCK nach Karlsruhe gewechselt ist Ilian Micanski. Der 27-Jährige Bulgare hat in acht Einsätzen bisher einmal eingenetzt. Insgesamt hat der kommende Gegner des FCK neun Tore erzielt. Geballte Torgefahr sieht anders aus. Einen Treffer mehr als Micanski hat der Niederländer Koen van der Biezen. Ein entzückender Name für einen 1,93 Meter Mann. Kein Wunder, dass Ex-Sportdirektor Oliver Kreuzer ihn bei seiner Verpflichtung wie folgt anpries: „Er ist ein großer und bulliger Stoßstürmer.“ Van der Biezen dürfte im 4-2-3-1 am zehnten Spieltag gegen den 1. FC Köln ran und traf. Man darf gespannt sein, wen Kauczinski auf dem Betze wirbeln lässt.
Als Tormaschine kann man die Badener derzeit also nicht bezeichnen. Allerdings dürften die beiden Ex-Lautrer motiviert sein. Vor allem Micanski wird es auf dem Betze seinen alten Kollegen und den Verantwortlichen zeigen wollen.
Fazit:
Der Karlsruher SC ist ein Aufsteiger mit Potenzial und einem engagierten Trainer, der ebenso wie Kosta Runjaic einen Plan hat. Allerdings tun sich die Badener vor allem in der Offensive noch schwer und haben Probleme im Spielaufbau. Daraus ergibt sich folgende taktische Devise für den FCK: Frühes Pressing und schnelles Umschalten nach vorne. So können die Fehler des KSC konsequent ausgenutzt werden. Und nebenbei: Ob den jungen Spielern die Betzenberg-Atmosphäre wirklich nichts ausmacht, muss erst noch erprobt werden.